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Die Baukunst der Zukunft

In den vergangenen Jahrzehnten wurden bekannte Architekten nur für die Gestaltung von Firmenzentralen, Kulturhäusern und Philharmonien beauftragt. Inzwischen werden Stararchitekten auch für Fabrikhallen oder Büroräume und anderen Zweckbauten eingesetzt. So griff Ferrari für eine neue Produktionshalle auf den französischen Stararchitekten Jean Nouvel zurück und gilt als Vorzeigewerk moderner Fabrikarchitektur und steht für bessere Arbeitsbedingungen und die Zukunftsorientierung des Unternehmens.















Der aus Stahl gefertigte Bau ist innen von Tageslicht durchflutet und trägt auf dem Dach aus Spiegeln, Fenstern und Lichtschächten das Emblem des Konzerns. Statt engen, stickigen und dunklen Fertigungsstraßen steht den Arbeitern nun mehr Platz an den einzelnen Stationen zur Verfügung. Auch die Ergonomie der Arbeitsstationen und die Nachschubautomatik wurden verbessert. Und die Investitionen rechnen sich: 2007 wurde Ferrari in einer Studie zum besten europäischen Arbeitsplatz gewählt.
Und während ein weiterer Autohersteller sich in Niedersachsen eine ganze Stadt in modernster Architektur erbauen lässt, strebt Microsoft in Köln das modernste Büro aller Zeiten an.

Das Büro im Wandel

Das neue Regionalbüro soll zum einen Firmenkunden anregen, neue Bürotechnik zu verwenden, zum anderen, und hier liegt der eigentliche Fokus, soll das neue Büro den Mitarbeitern den Arbeitsalltag vereinfachen. Im Regionalbüro soll der feste Arbeitsplatz für Mitarbeiter abgeschafft werden. So genannte „Open-Space-Bereiche“, die verschiedenen Teams zugeordnet werden können, bieten Platz zum Austausch und zur Kommunikation. Zusätzlich gibt es in jedem Bereich auch Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten sowie offene Kommunikationsareale im Loungestil.

Freiräume für kreatives Arbeiten

In der Architekturszene wird, auch einhergehend mit dem momentanen Trend der Telearbeit, das non-territoriale Büro als Arbeitsplatz der Zukunft gehandelt. Non-territorial bedeutet dabei vor allem eine Aufteilung der Büroräume in Denkzellen oder auch Cockpits für Gruppenarbeit und beispielsweise Kommunikationszonen wie Espressobars oder Lounges. Der Mitarbeiter hat keinen festen Arbeitsplatz, aber auch keine festen Arbeitszeiten mehr, allerdings entsteht durch die Loslösung vom eigenen Arbeitsplatz auch ein vollständiges Freiräumen genutzter Flächen, nach Abschluss der jeweiligen Projektarbeit. Für Unternehmen bedeutet das non-territoriale Büro eine Abnahme des Bedarfs an Bürofläche pro Mitarbeiter und eine zunehmende Dezentralisierung.

Mehr Arbeitsleistung

Auch im Innovation Center Freudenberg beziehen die Mitarbeiter morgendlich mit einem persönlichen Arbeitskästchen den Arbeitsplatz ihrer Wahl. Der Umbau der Bürostrukturen durfte maximal 400.000 Euro kosten. Zunächst wurden die Kommunikationsflüsse in den bestehenden Büroräumen geprüft und aufgezeichnet. Im Anschluss an die Analyse entstanden dann Großraumbüros, eingerichtet mit mobilen Schreibtischen, farbigen Wänden und einer entspannenden Arbeitsatmosphäre. Dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zu Folge kann eine solche Neustrukturierung der Arbeitsprozesse ebenso wie eine individuelle Umgestaltung der Büroplätze zu bis zu 36 Prozent mehr Arbeitsleistung führen.

Ökobau – ein weiterer Trend

Ein weiterer Architekturtrend, bei Stararchitekten wie auch Konzernen, ist das „Grüne Bauen“. Norman Foster oder Rem Koolhaas entwickeln bereits ganze energieneutrale Stadtviertel. Auch städtebauliche Entscheidungen, wie bei dem Neubauentwurf Jean Nouvels für den Tour Signal im Pariser Stadtteil La Defense, werden von ökologischen Fakten bestimmt.

Ein weiteres Beispiel für den Trend zum Ökobau ist die Konzernzentrale des niederländischen WWFs (World Wildlife Fund) in Zeist. Die 6,5-Millionen-Euro-Investition ergatterte sogar den Niederländischen Innovationspreis und erregte auf Grund seiner Architektur reges Besucherinteresse. Der amorphe Bau wurde mit einer Fassade aus Keramikkacheln überzogen. Das für einen Großteil des Baus verwandte Holz, ebenso wie die Bambusrohre der Treppengeländer, kommt aus umwelt- und sozialverträglich genutzten Wäldern. Der Beton des alten Baus wurde zu Granulat vermahlen und für den Neubau verwendet. Nistplätze für Vögel und Fledermäuse sind in der Fassade mit eingeplant und die Teppichfliesen sind aus recycelten Jeans gefertigt. Zur Wärmedämmung wurden die Wände mit Lehm verputzt. Sonnenenergie und ein eigenes mit Pflanzenöl betriebenes Wärmekraftwerk versorgen das Haus zusätzlich.

Innovative Ideen

Bis zum 23. November lief in Venedig die Architektur-Bienale. Der deutsche Pavillon konzentrierte sich auch hier auf das Thema ökologisches Bauen. Unter dem Arbeitstitel „Updating Germany“ fordern die Generalkommissare des deutschen Pavillons, Friedrich von Borries und Matthias Böttger, die Verbesserung und Weiterentwicklung sowie den Einsatz innovativer Ideen von Architektur und Bauen in Deutschland. Form follows green? Ist eine der vielen Fragen, die im deutschen Pavillon aufgeworfen werden. Ob durch das „grüne Bauen“ ein tatsächlicher Wandel entsteht, oder der Trend bald im Sand verläuft, werden die kommenden Jahre zeigen.

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